Legenden zufolge wurde der erste Reis vor etwa 4000 Jahren in China unter der Aufsicht von Kaiser Shennong angebaut, der ganz nebenbei landwirtschaftliche Geräte erfand und als Erster hunderte von Heilkräutern züchtete. Es gibt auch Belege dafür, dass Reis vor 2 bis 3 Tausend Jahren in Afrika rund um den Fluss Niger kultiviert wurde. Dieses Gebiet kennen wir heute als Mali.


Wir haben uns zwar nicht selbst zwischen die Steine der Chinesischen Mauer geklemmt, aber es heißt, dass sie durch Klebreis zusammengehalten wird. Während des Baus in der Ming-Dynastie im 15. und 16. Jahrhundert verwendeten die Arbeiter einen Brei aus Reis und Calciumcarbonat, um die Steine der Mauer zu verbinden.

In Thailand erzählt man sich, dass die Reisgöttin Mae Phosop wütend wird, wenn man beim Reis patzt. Und das ist nicht gut, denn seit unvordenklichen Zeiten glaubt man, dass sie für eine gute Ernte sorgt.


In Asien lernen Kinder, ihr Essen mit Respekt zu behandeln. In China zum Beispiel sagt man jungen Mädchen, dass sie den gesamten Reis auf ihrem Teller aufessen sollen, da jedes verschwendete Reiskorn zu einer Narbe oder einem Pickel im Gesicht ihres zukünftigen Ehemanns wird.


Reis ist ein Symbol für ein glückliches Leben und Fruchtbarkeit. Du weißt also sofort, warum Reis traditionell bei Hochzeiten geworfen wird. In Indonesien erhalten Bräute und schwangere Frauen aus diesem Grund oft eine Puppe aus Reis. In Indien kennt man die hinduistische „Erster Reis“-Zeremonie, ein bedeutender Moment. Nach etwa einem halben Jahr bekommt ein Baby zum ersten Mal etwas anderes als Milch. Die erste feste Nahrung ist Reis. Die Zeremonie wird von einem Priester geleitet und findet zu Hause oder in einem Tempel statt.

Nach Angaben des International Rice Research Institute (IRRI) ist Reis für 4 Milliarden Menschen (das ist etwa die Hälfte der Weltbevölkerung) die wichtigste Nahrungsquelle. Das Institut erwartet, dass die Nachfrage nach Reis in den nächsten zehn Jahren um ein Viertel steigen wird.


Die Länder, die am meisten Reis anbauen, sind China (letztes Jahr etwa 200 Millionen Tonnen Reis!), Indien, Indonesien, Bangladesch, Vietnam, Thailand, Myanmar und die Philippinen. Asien produziert nicht nur 90 % des weltweiten Reises, fast alles davon wird auch dort gegessen.

Überraschenderweise sind weitere wichtige Reisländer außerhalb Asiens Brasilien und die Vereinigten Staaten (mit jeweils etwa 11 Millionen Tonnen Reis pro Jahr).

Und (eine nette Quizfrage) hast du eine Ahnung, wo in Europa Reis angebaut wird? In Italien, Spanien, Griechenland, Portugal, Frankreich, Rumänien, Nordmazedonien, Ungarn und Albanien.


Reis ist ein Getreide (und Getreidekörner sind die Samen von Gräsern, Reis ist also eigentlich ein Gras) und lässt sich in einer Umgebung, in der es schön warm und feucht ist, leicht anbauen. Das erklärt, warum der weitaus meiste Reis aus Asien kommt. Reis ist widerstandsfähig und wächst sehr schnell, schneller als zum Beispiel Unkraut.


Reis braucht viel Wasser zum Wachsen. Um 1 Kilogramm Reis zu produzieren, werden etwa 5.000 Liter Wasser benötigt.


Ungekochter weißer Reis kann zwischen 10 und 30 Jahre lang frisch und genießbar bleiben (bei guter Lagerung). Gekochter Reis verdirbt jedoch schnell, wenn er bei Zimmertemperatur aufbewahrt wird. Koche also nur die Menge, die du brauchst, und bewahre Reste im Kühlschrank auf.

Reis und seine Nebenprodukte werden zur Herstellung von Essig, Stroh und Seilen, Papier verwendet (zum Beschreiben, obwohl es natürlich auch essbares Reispapier gibt), Brennstoff, Wein und Bier, Crackern und Brot, Keksen und Snacks, Kosmetika, Seife, Shampoo und sogar Zahnpasta!